Studienkommissionsarbeit: Der TradeOff zwischen Dozenten und Studierenden

Hallo.

Man meint ja alles gesehen zu haben. Man meint ja auch oft mit allen Wassern gewaschen zu sein, auf alles eine Antwort zu wissen. Mir bliebt heute nichts anderes übrig als aufzugeben. Aufgeben gegen die „Argumente“ der Dozenten anzukommen, aufgeben die Studierenden zu überzeugen. Studienkommissionsarbeit ist toll. Ich persönlich denke, dass ich das umsetze, was sich viele Studierende wünschen, aber offenbar sieht das der Großteil der in der Studienkommission sitzenden Studierenden anders.

Heute ging es darum ob wir beim Neuerfinden unserer Studiengänge lieber kleine Module (mit je einer Vorlesung und einer Übung) haben wollen, oder lieber größere mit vielen Vorlesungen, aus denen man sich dann weiter welche aussuchen kann. Die erste Variante impliziert, dass die Auswahl auf Modulebene stattfindet, die zweite, dass die Module starr sind, und nur als Hülle missbraucht werden. verkauft wurde der letztere taktische Meisterstreich dadurch, dass es total einfach fallen würde neue Vorlesungen zu den großen Containern hinzuzufügen. Mag sein, kann ich aber auch mit kleinen Modulen. Dann brauche ich halt ein Dummymodul pro Gruppe von Modulen. Wurde abgeschmettert mit „Man muss garantieren, dass das auch irgendwannmal stattfindet“. Ja, und wie geht das dann aktuell?

Wer noch nie eine Studienordnung gesehen hat, kann sich gerne zwei Exemplare anschauen. Unter [1] ist die des Bachelor Angewandte Informatik an der TU Chemnitz zu sehen, der viele kleine Module beinhaltet, unter [2] der Bachelor Wirtschaftsinformatik, der eher dadurch „überzeugt“, dass er viele große Module hat.

Nicht nur ist meiner Ansicht nach bei [1] deutlich schneller ersichtlich, was eigentlich von mir verlangt wird, sondern es ist auch ersichtlich, wodurch sich die Vertiefungsrichtungen unterscheiden. Bei der Eingebetteten System-Richtung habe ich u.A. Computergeometrie als Pflicht, bei der Verteilten Systeme-Richtung muss ich Elektrotechnische Grundlagen hören. Weil ich (quasi) immer davon ausgehen kann, dass ein Modul immer nur eine Veranstaltung ist, kann ich mir am Namen des Moduls (meistens) herleiten, wie die Vorlesungen heißen und welche ich belegen will. Ansonsten muss ich eben in die Modulbeschreibung schauen (weiter hinten), und mir die Qualifikationsziele durchlesen. Aber theoretisch könnte ich mit einem Blick auf die Liste und Suchen im Vorlesungsverzeichnis problemlos meinen Stundenplan erstellen.

Bei [2] habe ich direkt mehrere Probleme. Zum Einen die fehlende Übersichtlichkeit (siehe oben), zum anderen muss ich aber, um herauszufinden, welche Vorlesungen ich überhaupt besuchen muss, kann, soll, darf, jedes einzelne Modul hinten mit Modulbeschreibung auflösen. Verkauft wurde heute auch der Vorschlag dynamisch neue Vorlesungen einzufügen, ohne die Studienordnungen zu ändern. Ja, klasse. Wie soll ich denn nun die Vorlesungen finden, in die ich mich setzen soll? Klar wäre eine zentrale Datenbank eine nette Idee, aber wer pflegt die, wenn das Dekanat Informatik allein mit dem Studium Generale in einer Art überfordert ist, dass man den Fachschaftsrat als Hilfe braucht?

Was mich heute am meisten gestört hat, ist vor allem, die Arroganz der Lehrenden in der Studienkommission, dass einem offensichtlich nicht zugehört wird. Aber auch, dass sich die teilnehmenden Studierenden so leicht einen Bären aufbinden lassen. Von offensichtlichen Kontrollfreaks zu <mir ist doch eh alles egal> hat man da quasi alles vertreten. Leute! Ihr seid Studenten! Ihr solltet damit zurechtkommen, euch von einer Liste von Modulen ein paar aussuchen zu können! Wie genau wollt ihr euch damit zurechtfinden, wenn ihr dann noch zwei Indirektionsstufen mehr habt, weil ihr pro Containermodul weiter hinten nachschauen müsst.

Im zweiten Teil wurde das Containerkonzept als gegeben hingenommen, dann ging es um eine Säulenhafte Aufteilung des (neuen) Master Informatik. Die Säulen wurden als Container begriffen, weshalb auch die Argumentation mit „das ist zu unflexibel“ nicht gezogen hat, weil man die Container bereits als gesetzt angenommen hat. Dass es keinen stört, wenn ein Student in einem 120 LP Master aus 6 Säulen je 10 oder 20 LP an Vorlesungen hören muss, ist mir ein Rätsel. Wo kommen denn die 20 LP als Obergrenze her? Oder die 10 als Untergrenze? Ein Master solle in die Breite und Tiefe gehen, wurde mir dann gesagt. Und deshalb muss ich den Studenten daran hindern seine Interessen im Master auszuleben? Dann wurde gesagt „soll der Studi doch in den Angewandten Informatik-Master gehen!“ Achso. Der, der wahrscheinlich nicht mehr lange existiert? Der, der aus zwei interessanten Studiengängen zusammengeworfen wurde, weil man die beiden nicht mehr brauchte und lieber einen mit einem langweiligen Namen wollte? Wen versucht ihr eigentlich grade für dumm zu verkaufen?

Auch öfter angeschnitten wurde, dass man ja nicht die Last des Studierenden erhöhen will. Hä? Ich habe doch immer noch genau gleich viele Vorlesungen (Hinweis: Vorlesungen der Informatik an der TU Chemnitz sind fast ausschließlich 5 LP, 150 Arbeitsstunden wert), egal ob ich da bis zu 4 oder bis zu 6 aus einem Bereich belegen will. Woher kommt das, dass sich Studenten selbst geiseln wollen? Dass sich die Studenten selbst in Ketten legen wollen, selbst ihre eigenen Studiengänge über-constrain-ieren wollen? Wie gut feste Studienstrukturen funktionieren, sehe ich an der Physik. Ein Fachschaftsrat der quasi nicht existiert, Studienordnungen und exportierte Module aus der Hölle, Prüfungen die nicht auffindbar sind, wo einem weder der Dozent noch das Prüfungsamt helfen kann. Danke für garnichts.

Zum Schluss nun, was ich eigentlich erwarte. Ich erwarte, dass man als Student einsieht, dass man selbst eigentlich nur ein kleines Licht ist, und anderen Studis im Studienablauf nicht im Weg stehen sollte. Wer bin ich zu sagen, dass er aus seinem Lieblingsbereich nur 4 Vorlesungen hören darf. Wenn ihn mehr interessiert, könne er ja freiwillig mehr Vorlesungen besuchen (ich lache jetzt noch). Ich erwarte, dass die Studis das von den Lehrenden vorgeschlagene kritisch hinterfragen, und ich erwarte, dass solange rumgemeckert wird, bis man auf etwas kommt, was für den Großteil der Studierenden sinnvoll erscheint. Nur weil du von Listen von Modulen überfordert bist, müssen das nicht alle anderen Studis auch sein. Lasst euch nicht verarschen von den Lehrenden, sondern denkt selbst nach! Habt ihr euch einmal über den Tisch ziehen lassen, ist es nur noch schwer möglich zur anderen Seite zurückzukommen.

[1] https://www.tu-chemnitz.de/studentenservice/sopo/82/801.php
[2] https://www.tu-chemnitz.de/studentenservice/sopo/82/277.php

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