Odyssee durch Debian-Linuxe

Wie einige sicher schon wissen wurde vor einigen Wochen die neue LTS von Ubuntu veröffentlicht 16.04. Eine LTS stellt in der Regel im Ubuntu-Universum eine besonders stabile Version dar, die über einen sehr langen Zeitraum unterstützt wird und mit Aktualisierungen versorgt wird. Wenn man sich Linux Mint anschaut, ist diese Distribution auf dem Stand der letzten LTS 14.04 stehen geblieben, was auch vor dem Hintergrund Sinn ergibt, dass alle anderen Versionen nur noch 9 Monate lang unterstützt werden.

Ich habe also meine Rechner von Linux Mint 17 auf Xubuntu 16.04 aktualisiert. Da gibt es ein (bekanntes) Problem: Die fglrx-AMD-Grafikkartentreiber werden nicht angeboten, weil die aktuell mit dem aktuellen Xorg-Server nicht funktionieren. Was genau ist am aktuellen Xorg bitte so wichtig, dass man die Grafikbeschleunigung von quasi einem drittel der Nutzer in die Tonne tritt? Und hätte man die Xorg-Aktualisierung nicht aktualisieren können, wenn AMD die Grafiktreiber nachliefert, die mit dem aktuellen Xorg funktionieren? Aber macht auch nichts, weil der verwendete Kernel ist offenbar auch zu aktuell um mit den AMD-Treibern zu funktionieren. Das ist übrigens kein Problem von Ubuntu, sondern von allen Linux-Distributionen, auch bspw. Debian testing.

Außerdem gibt es einige Probleme mit ffmpeg, namentlich, dass der Hauppage HD PVR [4] (von anderen Geräten weiß ich das nicht) nicht mehr zum streamen geöffnet werden kann. Der Umweg über ‚cat /dev/video0 > test.mp4‘ funktioniert aber problemlos. Da Open Broadcaster Software Studio auf ffmpeg aufbaut, macht sich gerade der Fehler nicht gut.

Ich könnte ja auch auf Linux Mint 17 stehen bleiben, da funktionert fglrx, ffmpeg-next [1] und damit auch obs-studio. Aber dann habe ich das Problem, dass ich auf einem uralten (über zwei Jahre) KDEnlive arbeiten muss. KDEnlive ist ein freier nicht-linearer Videoeditor, den ich zur Erstellung meiner Videos benutze. Die uralte Version lässt sich dank fehlendem KDE5 nicht unter Mint 17 aktualisieren. Außerdem sind in der Version ebenfalls einige richtig fiese Bugs, die das Projekt zerstören wenn man es mit 60fps erstellen will.

Also gut. Installier ich halt Debian 8, da müsste fglrx gehen, weil uralter Xorg, und KDEnlive kann ich mir zur Not aus den testing-Quellen nachinstallieren – in der Hoffnung er aktualisiert den Xorg nicht mit. Siehe da! fglrx funktioniert problemlos. Aber… Debian bietet nur die avconv-tools an und nicht ffmpeg. avconv und ffmpeg sind grundsätzlich eigentlich die gleichen Programme, sie haben sich irgendwann 2011 gespalten (fork) und haben ab da eine getrennte Entwicklung genossen. Zwar kenne ich mich mit den Unterschiedenen der beiden Programme nicht aus, aber die Bedienung in der Shell sieht noch recht gleich aus. Warum obs-studio dann unbedingt ffmpeg voraussetzt, bleibt mir ein Rätsel.

Hinzu kommt, dass Debian natürlich keine Ubuntu PPAs unterstützt, und damit auch nicht, dass man einfach mal den ffmpeg-next aus dem Repository nachinstalliert. Das heißt selbst bauen [2]. Nach der Anleitung also selbst gebaut, und schwubbs! Gleicher Fehler wie unter Ubuntu – ist ja klar, weil der Fehler sicher nicht von der Distribution abhängig ist. Theoretisch hätte ich mir eine ältere Version bauen können – rückwirkend betrachtet wäre das auch durchaus sinnvoll gewesen – aber naja.

KDEnlive aus den testing Quellen zu installieren habe ich dann aber gar nicht mehr probiert.

Mein Streaming-PC wird jetzt, bis ein Fix da ist, oder für immer, das alte Linux Mint 17 benutzen. Auf meinem Laptop versuche ich mich jetzt an Arch-Linux, damit ich auf lange Sicht von Ubuntu wegkomme. Neben den oben genannten Problemen hat Ubuntu noch einige andere mit Programmstabilität. Bspw. wollten sich einige Einstellungs-Programme überhaupt nicht zeigen, was etwas merkwürdig ist, bei einer Distribution, die doch so auf Nutzerfreundlichkeit ausgelegt ist. Mein Fix war da übrigens den Crash-Reporter zu deinstallieren, damit der wenigstens nicht mehr nervt.

Arch-Linux hat auch die Probleme mit ffmpeg, und Arch-Linux hat auch die Probleme mit fglrx. Aber mein Laptop muss (a) den Hauppauge HD PVR nicht mit ffmpeg öffnen, weil auf dem dank fehlendem OpenGL 3.1 (?) ohnehin kein obs-studio läuft. (b) hat der Laptop keine AMD-Grafikkarte, sondern eine Intel HD 3000, die theoretisch ohne proprietären Treiber von Xorg problemlos unterstützt wird.

Zum Abschluss noch einige polemische Fragen: Warum setzen Programme wie obs-studio oder ScreenStudio [3] auf ffmpeg und kommen mit avconv nicht klar. Wie kann ich als Distributor auf AMD-Grafikkarten-Unterstützung verzichten? Ja, es gibt radeon, der aber eher schlecht als recht funktioniert, aber immerhin Grafikbeschleunigung für den Desktop bringt. Dafür hat der VLC bspw. beim Screenshots von Videos machen Probleme mit radeon. Gibt es einen Grund dafür, warum Debian ausschließlich avconv mitliefert und nicht ffmpeg mit? Warum biegen die nicht cmake-Regeln, Pfade, Programmnamen (siehe Alias) um, sodass der Name ffmpeg auf avconv verweißt?

Ich hoffe, dass ich mit Arch-Linux als erster von einem ffmpeg-Fix profitiere.

[1] https://launchpad.net/~kirillshkrogalev/+archive/ubuntu/ffmpeg-next
[2] https://trac.ffmpeg.org/wiki/CompilationGuide/Ubuntu
[3] http://screenstudio.crombz.com/
[4] http://www.hauppauge.de/site/products/data_hdpvr.html

Beitragsbild: http://www.larysa-golik.de/bildergalerie/illustrationen/grafx/odyssee/06-odyssee.jpg

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